Berliner geflügelte Worte

Der Berliner ist im Allgemeinen nicht sehr gesprächig, er hat dafür die seltene Gabe, oft mit einem einzigen Wort, mit einem Ausruf einen ganzen Satz auszudrücken, durch eine kurze, schnell hingeworfene Bemerkung eine weitschweifige Erzählung zu ersparen.

Schon Goethe schrieb an einen Freund Zelter: „Schreibe mir so derb als möglich, denn das kleidet Euch Berliner doch am besten“ und bei einer anderen Gelegenheit sagt er, „man merkt, dass man mit der Delikatesse in Berlin nicht weit reicht, weil ein so verwegener Menschenschlag dort zusammenlebt, dass man Haare auf den Zähnen haben und mitunter etwas grob sein muss, um sich über Wasser zu halten.“ Und sogar Hegel soll ja behauptet haben, dass „ein Berliner Witz mehr wert wäre wie eine schöne Gegend.“

Die Berliner sind nicht zimperlich und diese 1887 von Paul Lindenberg zusammengestellte Sammlung sprachlicher Berliner Eigenheiten ist es auch nicht. Genial in Szene gesetzt vom Berliner Illustrator Jakob Hinrichs hüpft dem Leser der Berliner Sprachwitz und die Schnoddrigkeit aus diesem Buch entgegen. Einfach Knorke.


Knorke ist für mich der Inbegriff des Berlinerischen. Es bedeutet so viel wie sehr gut, super, unschlagbar. Dieses Wort hat weder Komparativ noch Superlativ, das braucht es nicht. Es steht da wie ein Fels. Kurt Tucholsky schrieb 1924 eine Art Abgesang auf dieses Wort: „Lebe wohl, Knorke. Ruhe sanft. Hab keine Angst: deine Familie stirbt nicht aus. Du bekommst Nachfolger.“ Wie gut, dass sich Knorke wieder vom Ruhekissen erhob und weitermachte. Ich liebe dieses Wort sehr. Es möge den Erdball nie verlassen.
Aus dem Vorwort von Björn Kuhligk

icke

Bodo von Hodenberg,
Herausgeber der Favoriten-presse